Porträt eines Bundesliga Catchers

Die meisten Spieler/innen die Baseball oder Softball in Deutschland spielen tun es für ihr Leben gern.  Sie lieben diesen Sport, es ist und bleibt für die allermeisten aber nur ein Hobby.

Es gibt aber auch die Spieler die Baseball schon richtig profimäßig betreiben, auch wenn sie kaum Geld dafür bekommen.  Der Aufwand ist enorm.  Wir freuen uns heute solch einenSpieler vorzustellen.  Was folgt ist ein Interview mit Andreas Lastinger, der Baseball auf höchstem Niveau in Deutschland spielt.  Andreas ist  Catcher der Mainz Athletics, 1.Bundesliga-Süd.

Er ist  21Jahre alt und studiert in Mainz,  er hatte ein Semester Bioverfahrenstechnik studiert, gemerkt dass es nichts für ihn ist und ab dem Sommersemester fängt er ein duales Sport Managment Studium an.

 

Hallo Andreas,

wo hast Du bislang gespielt und was waren die Highlights in Deiner noch sehr jungen Baseball Karriere?

: Ich habe bisher bei 5 Vereinen gespielt:  Unterwurmbach Rats, Fürth Pirates, Ingolstadt Schanzer, Namur Angels(Belgien) und den Mainz Athletics.

Highlights waren bislang:

-Länderpokalmeister 2008 (Bayern)
-European Baseball Academy 2008 mit Coaches wie Hall of Famer Rod Carew und Barry Larkin
-Junioren Nationalmannschaft 2008-09
– Deutscher Junioren Meister 2009 (Mainz)
-Regionalligameister 2009
-2.Bundesligameister 2010
-1.Bundesliga seit 2009; 3mal Playoffs
-Bundesliga Süd Allstar 2012

 

Andreas Lastinger Mainz Athletics: Jetzt da wir mit grossen Schritten auf die Baseball-Saison losgehen, ist es endlich bald “Crunch Time”, wirst Du da nervös?

 

: Nervös ist das falsche Wort, trotz meines jungen Alters geh ich mittlerweile in mein 5. Erstligasaison, da ist man schon recht routiniert. Aber es kribbelt schon seit dem letzten Saisonspiel in den Fingern. ich kann es kaum erwarten endlich wieder mit meinem Team draußen auf dem Baseballplatz zu trainieren und zu spielen. Und vorallem will ich natürlich die Ergebnisse der harten Arbeit in der Offseason live gegen die anderen Bundesligateams sehen!

 

: Wie oft trainierst Du pro Woche?

: Puh! Naja wenn man alle Trainingseinheiten (Hitting, Defense, Longtoss, Fitnessstudio, Lauftraining,…) zusammen zählt komme ich in einer guten Woche schon auf über 20 Trainingseinheiten.

 

: Wow, soviel?! ist das normales Pensum für einen Bundesliga Spieler oder trainierst Du nur einfach mehr wie alle anderen?

: Ich trainiere schon sehr viel. Auch meine Teammates trainieren sehr viel und oft mehrmals am Tag, man merkt richtig wie alle heiß sind dieses Saison, nachdem wir 2012 unser Ziel Finale nicht erreicht haben, diese Saison aus allen Rohren zu feuern. Denn auch 2013 haben wir wieder ein sehr junges Team (80% unseres 1.Bundesligateams sind 22 Jahre oder jünger), allerdings schon sehr erfahren, da in Mainz schon immer sehr viel Wert auf die Jugendarbeit gelegt wurde und ein Großteil unseres jetzigen Teams schon mit 17 Jahren, damals noch unter unserem früheren Coach Cae Santos, regelmäßig Einsätze in der Bundesliga bekommen haben. Nicht umsonst ist Mainz der Rekordmeister im Nachwuchsbereich.

 

: Welche anderen Interessen hast Du ausser Baseball?

: Da ich neben dem Spielerdasein, sowohl das Schüler 1 Team als auch unsere Nachwuchstalente und Internatler der Rhein-Main Baseball Academy coache und außerdem noch in unserem neu gegründeten Spieler Komitee mich mit unserem Game 1 Starting Pitcher Christian Decher um ein paar geschäftliche Angelegenheiten des Vereins kümmere (z.B Sponsoren,), versuche ich privat Abstand vom Baseball zu gewinnen.  Ich gehe gern auf die Driving Range ein paar Golfbälle schlagen und treffen mich sehr viel mit Freunden. Ich habe aber auch einige recht baseballuntypische Hobbys (lacht), z.B koche ich für mein Leben gerne, verbringe viel Zeit mit Musik und auch Mode, ich reise in der Offseason viel und gehe auch oft auf Konzerte und Events.

 

:  Bist Du verheiratet? Kinder?

:  Haha! Nein das hat beide noch Zeit.

 

: Gibt oder gab es ein Vorbild für Dich, entweder hier in Deutschland oder in der MLB?

: Ein richtiges Vorbild gab es nicht, aber von den drei Molina Brüdern habe ich immer versucht mir etwas abzuschauen, die sind alle drei richtig klasse hinter der Platte!
Aus der Bundesliga gibt es aber auch einige Spieler von denen ich versucht habe etwas zu lernen. Markus Gienger zum Beispiel (langjähriger Nationalcatcher) hat mich damals als ich noch selbst ein Schülerspieler war, mit seiner ausgezeichneten Defense als Catcher sehr beeindruckt und als ich dann noch einen Foulball von ihm gefangen habe und er ihn nach dem spiel für mich signierte war ich ganz hin und weg (lacht).
Aber auch von aktuellen Spielern wie Ludwig Glaser kann man sehr viel lernen, sein fast perfekter Approach an der Platte und seine Fähigkeit jeden Strike hart zu schlagen, lassen einen immer wieder staunen.

Am meißten hat mir aber unser DH Mike Larson geholfen. Er spielt seit 2007 bei den Mainz A’s und ist seit Jahren bei weitem einer der konstantesten und besten Schlagmänner der Bundesliga und ein super Hitting Instructor. Das ist natürlich von Vorteil wenn man so jemanden als Trainingspartner hat.

 

: In der Baseball Bundesliga werden ja die Spieler von den Vereinen mehr oder weniger bunt zusammengewürfelt. Wie ist das für Dich, immer wieder neue Spieler kennenzulernen und mit Ihnen in einem Team auf dem Platz zu stehen?

: Das ist einfacher als man denkt! Baseballer verstehen sich fast alle immer sehr gut und da man ja nur als Team gewinnen kann ziehen auch immer alle am selben Strang. Bei 4 deutschen und einem belgischen Verein, einer Unzahl an Auswahl-, National- und Allstarteams lernt man natürlich viele Leute kennen, aber das ist das schöne am Sport und speziell am Baseball, denn so lernt man mit unterschiedlichen Persönlichkeiten umzugehen und auch mit Andersartigkeiten. Man sieht die Stärken und die Schwächen der anderen und schaut, wie man als Gruppe daran arbeiten kann. Dazu gehört es auch Kompromisse einzugehen, und das hilft einem für das später Leben. Oft entwickeln sich daraus auch Freundschaften fürs Leben.

 

. Baseballspieler sind bekannt dafür gerne Streiche zu spielen, was ist das witzigste was Du mal erlebt hast?

:  Haha, dazu kann ich leider nichts sagen denn da gibt es einen Ehrenkodex der lautet: “What happens on the road, stays on the road!” (lacht).
Aber ja, es werden sehr viele Streiche gespielt, das hält die Stimmung im Team hoch und schweißt zusammen.

 

: Es gibt viele Dinge über die Baseballspieler abergläubig sind, zum Beispiel beim betreten des Feldes nicht auf die Linien treten, immer das gleiche an Spieltagen essen oder tun, oder so. Gibt es so etwas bei Dir auch?

: Viele Dinge, die als Aberglaube bezeichnet werden, haben einfach damit zu tun das Spiel auf die “richitge” Art und Weise zu spielen. Schon alleine aus Respekt vor diesem wunderbaren Spiel Baseball und auch aus Respekt vor dem Gegner, hält man sich an diese “Ungeschriebenen Gesetze” im Baseball.
Aber ja jeder Spieler hat so seine kleinen Rituale. Am Abend vor einem Spiel mache ich mir immer noch etwas leckers zu essen, leg mir meine Uniform und so feinsäuberlich raus, gehe nochmal die Scoutingreports durch und versuche dann immer genau 9 Stunden zu schlafen. Auch während dem Spiel gibt es lauter kleine Rituale die ich versuche immer einzuhalten, das hilft mir mich zu konzentrieren. Da als Catcher die Defensive ja so wichtig ist und vollen Fokus verlangt, sollte man seine Erfolge oder Misserfolge am Schlag immer abhacken, solbald sie vorbei sind. Deswegen lege ich meinen Helm, Schläger, Battinggloves etc., nachdem ich geschlagen habe und wieder im Dugout bin, immer auf die selbe ruhige Weise zurück an ihren Platz, gehe das At Bat nochmal durch, was habe ich gut gemacht, was habe ich schlecht gemacht, wie gehe ich das nächste At Bat an und fokusiere mich dann wieder aufs Catchen. Und das egal ob ich mir ein ärgerliches Strikeout abgeholt habe oder einen fetten Double, der uns die Führung gebracht hat, gehauen habe. Das bringt Konstanz im Spiel.

 

: Was wirst Du nach Deiner aktiven Zeit im Baseball tun?

: Bald fängt ja mein Sport Management Studium an. In die Richtung wird es mich auch beruflich ziehen, eventuell ist der deutsche Baseball bis dahin so groß und finanziell strak, dass ich dann hauptberuflich ein Verein managen kann, wenn nicht gibt es aber schon einige andere Alternativen.
Allerdings werde ich versuchen so lange wie möglich aktiv in der Bundesliga zu spielen, ich will eine lange Karriere haben.
Und auch danach werde ich dem Baseball vermutlich immer in irgendeiner Rolle erhalten bleiben.

 

: Am Sonntag ist Super Bowl, Baltimore Ravens und San Francisco 49ers, wer gewinnt?

:  Ganz klar die 49ers!

 

:  Welche Frage haben wir nicht gestellt , die DU gerne beantworten würdest?

: Die Frage nach meinen Zielen für 2013:

Diese Saison, nachdem wir 2012 unser Ziel, Finale nicht erreicht haben,  heisst unser Ziel dieses Jahr das Finale Deutsche Meisterschaft zu erreichen.
Meine persönlichen Ziele sind Bundesliga Allstar  und ein Turnier, Spiel oder Camp mit der Nationamannschaft.

 

: Vielen Dank Andreas, wir freuen uns noch mehr von Dir zu sehen und hören.

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